Vina Tondonia gran reserva 1973

English

It’s always interesting to drink a wine that was produced long before you were born. But of course it’s better when it tastes good as well.

Admittedly, I have never been a fan of R. Lopez.

Accessibility always proved to be difficult:

On the one hand they were always a little “stinker”, on the other hand on the palate they were just so sour and closed that I could hardly imagine that such a wine could ever taste good to me.

My first experiences were with the 06s which were excellently rated but were also only the “Reserva”.

Today I was once again “wine shopping”
(Haha…) and had put me before the choice:

Rioja 890 2005 (play it safe) or rather Lopez 73 Gran Reserva (risk?).

After some back and forth, I said to myself:

Screw it. Try it. Maybe it’s cool… maybe not.

And there I sit with my first Gran Reserva from R.L. 1973.

It starts already odd:

the capsule is difficult to release, the cork falls directly completely into the bottle… and I already think of a bad omen, but try to be positive according to the circumstances, even if I suddenly remember that my (only) decanter was destroyed the other day due to a mishap (no details at that point).

What do I do now? The idea that the wine remains in constant full contact with the cork drives me crazy. So I take the (no longer quite sober) creative decision to decant the bottle into the PN glass of Riedel Winewings (which I received as a gift from CEO Mr. Max Riedel himself)… to my surprise… the entire contents of the bottle fit inside! Super!

The subsequent feeling of the glasses turned out to be out to be easier than expected:

Without giving away a drop to the drain, I managed to fill the glasses with a bit of swing without any further mishaps.

First impression:

1) stinky
2) sour, ferruginous
3) difficult to drink

Hardly any difference from the 06.

So I give the wine time… and distract myself with 4 other candidates I opened today (including a PN from Bouzy, Champagne – out of curiosity).

After 2 hours I come back, take the glass I had left to breathe alone in the kitchen and experience something absolutely unexpected:

The wine has completely changed.

Instead of an unbalanced stinky sourpuss, I find a balanced, complex and exceedingly tasty wine in my glass. It’s as if the wine healed itself through mediation and made more out of itself.

The interesting thing is that it is still the same character. It is not a new wine from scratch. It is only like a kind of maturation in a fast process. Where before there was too much, now there is suddenly just the right amount. Where before the direction was not clear, a great harmony has emerged. Where there was little hope, a beautiful swan has emerged from the ugly duckling.

Is it the best wine I have ever drunk? Maybe not. But it is one of the most interesting experiences I have had with a wine.

It reminded me that we do get older, but if we look closely, not necessarily worse. And that things that don’t look good at first glance can turn out to be something wonderful after all.

The 93/100 here is just casual posturing, because the experience was definitely the more interesting side of this wine.

German

Immer interessant ist es, einen Wein zu trinken, der erzeugt wurde, lange bevor man geboren wurde. Besser ist es, wenn der dann noch schmeckt.

Zugegebenermaßen war ich noch nie ein Fan von R. Lopez.

Meine ersten Erfahrungen waren mit den 06ern, die ausgezeichnet bewertet sind, aber auch nur die „Reserva“ waren.

Der Zugang zeigte sich immer schwer:

Auf der einen Seite war das immer ein kleiner „Stinker“, auf der anderen Seite am Gaumen einfach dermaßen sauer und verschlossen, dass ich mir schwer vorstellen konnte, dass mir solch ein Wein jemals schmecken könnte.

Heute war ich mal wieder „Weinkaufen“
(Haha…) und hatte mich vor die Wahl gestellt:

Rioja 890 2005 (auf Nummer sicher) oder doch lieber Lopez 73 Gran Reserva (Risiko?).

Nach einigem Hin und Her sagte ich mir:

Scheiß drauf. Versuch es. Vielleicht ist es geil… vielleicht auch nicht.

Und da sitze ich nun mit meinem ersten Gran Reserva von R.L. aus 1973.

Es fängt schon blöd an: die Kapsel lässt sich schwer lösen, der Korken fällt direkt komplett in die Flasche rein… und ich denke schon an ein schlechtes Omen, versuche den Umständen entsprechend aber positiv zu sein, selbst wenn mir plötzlich wieder einfällt, dass mein (einziger) Dekanaten letztens aufgrund eines Missgeschicks zerstört wurde (keine Details an der Stelle).

Was mache ich nun? Die Vorstellung, dass der Wein im ständigen vollen Kontakt mit dem Korken bleibt treibt mich in den Wahnsinn. Also fasse ich den (nicht mehr ganz nüchternen) kreativen Gedanken, die Flasche in das PN Glas von Riedel Winewings (das ich von CEO Mr. Max Riedel persönlich geschenkt bekommen habe) zu dekantieren… zu meiner Überraschung… der gesamte Inhalt der Flasche passte rein! Super!

Das anschließende Befüllen der Gläser erwies
sich als leichter als erwartet:

Ohne einen Tropfen an den Abfluss zu verschenken, schaffte ich es, mit etwas Schwung die Gläser ohne weitere Malheurchen zu befüllen.

Erster Eindruck:

1) Stinker
2) sauer, eisenhaltig
3) schwer zu trinken

Kaum Unterschied zu dem 06er.

Also lass ich dem Wein Zeit… und übe mich mit 4 anderen Kandidaten, die ich heute geöffnet habe, in Geduld (unter anderem ein PN aus Bouzy, Champagne – aus reiner Neugierde).

Nach 2 Stunden komme ich zurück, nehme das Glas, das ich zum Atmen alleine in die Küche zurückgelassen hatte, und erlebe etwas absolut Unerwartetes:

Der Wein hat sich komplett gewandelt.

Anstelle eines unausgeglichenen stinkenden Miesepeters, finde ich einen ausgeglichenen, komplexen und überaus schmackhaften Wein in meinem Glas wieder. Es ist so, als ob sich der Wein durch Meditation selbst geheilt und mehr aus sich gemacht hat.

Das Interessante dabei ist, dass es noch der selbe Charakter ist. Es ist also von grundauf kein neuer Wein. Es ist nur wie eine Art Reifung im Schnellverfahren. Wo vorher zuviel war, ist jetzt plötzlich genau die richtige Menge. Wo vorher die Richtung nicht klar war, ist hier eine große Harmonie entstanden. Wo wenig Hoffnung bestand, ist aus dem hässlichen Entlein ein wunderschöner Schwan entstanden.

Ist es der beste Wein, den ich jemals getrunken habe? Vielleicht nicht. Aber es ist eine der interessantesten Erfahrungen, die ich mit einem Wein gemacht habe.

Es erinnerte mich daran, dass wir zwar älter werden, aber wenn wir genau hinschauen nicht unbedingt schlechter. Und das Sachen, die auf dem ersten Blick nicht gut aussehen, sich doch als etwas Wunderbares entpuppen können.

Die 93/100 sind hier nur beiläufiges Gehabe, denn die Erfahrung war die durchaus interessantere Seite dieses Weines.